Dienstag, 11. September 2007

Landeanflug auf Bangalore

Bangalore, der 11.09.2007

Bangalore Tag 1


Hallo zusammen,
momentan überschlagen sich die Eindrücke und es fällt mir schwer in kurzer Zeit, alles wiederzugeben, was ich den letzten Stunden alles erlebt habe.
Also nach 10 Stunden Flugzeit bin ich hier nun endlich angekommen, da wo der Pfeffer wächst. Es ist wahnsinnig aufregend hier, Bangalore, wo ich grad bin, ist eine irre große Metropole, 7 Millionen Einwohner. Der Landeanflug gegen halb eins morgens mit der Air France Maschine war besonders beeindruckend. Ich sah tausende, ach Millionen Lichter bis zum Horizont. Als Martin und ich das Flughafengebäude verließen, empfing uns nicht nur die tropisch schwülwarme und versmokte Nachtluft von Bangalore, sondern auch ein netter Inder mit Lieferwagen und Pappschild „Don Bosco Breads“. Nein, wir wurden nicht als „Don Boscos Brote“ willkommen geheißen, die Organisation, die hier in zwei indischen Nationalstaaten alle 20 Don Bosco Einrichtungen verwaltet, heißt „Bangalore Rural Educational And Development Society“. Deren Haupthaus wurde auch unser Nachtquartier. Wir bekamen Schlüssel 313 in die Hand gedrückt und dann ging das Licht aus. In unserem Zimmer waren zwei Betten mit Moskitonetzen und einem Deckenventilator und… eine „european-styled toilet“ – die sind in Indien wirklich selten. Heute Morgen um 9 Uhr indischer Zeit riss mich ein beharrliches Klopfen aus dem Schlaf. Ich stand auf, zog mir schnell was an und öffnete die Tür. Der Lieferwagen-Inder vom letzten Abend stand da und erklärte mir in seinem gebrochenen Englisch, dass wir zum Frühstück kommen können und dort den Big Boss treffen können, Father George Mathew. Nach einem schnellen Waschen aus dem Wassereimer gingen wir ins Erdgeschoss des vierstöckigen Hauses. Wir bekamen Toast, Bananen und abgepackten Scheibenkäse und als wir so aßen, kam plötzlich Father Mathew dazu. „Guten Morgen. You´re Martin and Benedikt, right?“ Wir unterhielten uns ganz locker und auch unser Schulenglisch reichte aus, um alles mitzubekommen. Nach dem Frühstück widmeten wir uns Bangalore bei Tag. Auch wenn wir nur einen minimalen Ausschnitt dieser Metropole innerhalb einer Stunde erkunden konnten, bekamen wir trotzdem einen ersten Blick auf die Armut. Slumquartiere, bestehend aus Holzbrettern, Plaste und Wellblech. Kinder spielten in Müllbergen und hämmerten auf einer alten Blechtonne herum, hatten dabei aber sichtlich Spaß. Frauen fegen mit Palmenblättern den Staub von der Straße, hupende Rikschas fahren herum und ignorieren sämtliche Verkehrsregeln. Auch der Linksverkehr hier ist im Grunde nur eine Richtlinie. Überall riecht man den Geruch der typischen indischen Gewürze. Essensdämpfe dringen aus den Häusern. Das Mittagessen war auch eine besondere Erfahrung. Wir lernten etwa 20 Salesianer (Ordensleute von Don Bosco) kennen, die total offen zu uns waren und einen hervorragenden Humor besaßen. Wir scherzten über den Schärfegrad der indischen Küche, unterhielten uns über den Papst und den Weltjugendtag und ein weißbärtiger, zahnloser Salesianer aus dem Himalaya erzählte mir, während er mit den Fingern aß (nichts ungewöhnliches), warum er so alt geworden war.
Und die wichtigste Nachricht war für uns, dass es heute Abend schon nach Hospet geht. Also kein zweiwöchiger Aufenthalt in Bangalore. Martin und ich werden nachher gegen 10 Uhr mit dem Nachtzug im Schlafabteil nach Hospet, ins Projekt fahren. Erste Einweisungen gab es im perfekten Englisch von der Sekretärin Raji und von George Mathew bekamen wir einen Beamer und einen Laptop mit, den wir ins Projekt mitbringen sollen. (Unsere technische Ausrüstung beträgt nun mittlerweile drei Laptops, ein Beamer, ein Camcorder, zwei Digicams und noch (!) ein Handy).. Hoffentlich kriegt das kein fieser Mitreisender im Zug mit =).
Einer wird immer Nachtwache halten müssen. Achso und eine heilige Kuh haben wir auch schon gesehen, zumindest war die so heilig, dass sie im Müll am Straßenrand nach Essbarem gesucht hat. Also zusammengefasst, uns geht es hier besser als wir gedacht haben, wir haben Freunde gefunden, die Atmosphäre ist sehr locker und das Essen ist genießbar und bekömmlich.
Viele Grüße an die Heimat,
Euer Benedikt

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